thoughts: berlin oder das peter-pan-syndrom

berlin personal

 

ich nippe an meinem glas, der rotwein berührt meine lippen. eigentlich hatte ich mir vorgenommen, es jetzt mal gut sein zu lassen mit dem alkohol. berlin hat spuren hinterlassen. aber es schmeckt schon wieder.

immer, wenn ich aus berlin zurückkehre, ist für ein paar tage alles anders. ich sehne mich zurück in die sorglos-erdrückende umarmung dieser stadt, die mich jedes mal ein bisschen kaputter macht und dennoch so glücklich. die mir zeigt, wie viel das leben zu bieten hat, wenn man es nur zulässt. ich fühle mich ewigjung, wenn ich in berlin bin, berlin mit seinen ekelhaft-wunderbar verrauchten bars. berlin, sei meine droge, will mich an dir betrinken. moscow mule für fünf euro. hier in frankfurt zahle ich mindestens das doppelte und noch so viel mehr.

freiheit ist ein starkes wort, so gekünstelt und bedeutungsschwer zugleich. trotzdem, ich fühle mich in frankfurt so oft so unfrei. so gefangen in meinem trott, aufstehen, arbeiten, essen, staubsaugen, ins bett fallen. alltag, mit 23. ein alltag, für den ich so oft das gefühl habe, mich entschuldigen und rechtfertigen zu müssen vor all den ewigjungen berlinern, die in 30-quadrateter-apartments hausen und sich jeden abend in einer anderen kneipe die kante geben.

vielleicht liegt es einfach an der stadt, und man darf es ihnen gar nicht übel nehmen. wer weiß, ob ich besser wäre, würde ich dort wohnen? und berlin war wie new york, ein meilenweit entfernter ort. bin ich in der stadt und komme zurück, dann weiß ich tagelang nicht, wer ich bin und wo ich stehe. ich weiß nicht, ob ich sie beneide und genauso sein will oder ob es mich anwidert, dieses nicht-an-morgen-denken.

dieses arrogant-gleichgültige, das für mich nur diese stadt und ihre bewohner an sich haben, treibt mich in den wahnsinn. immer, wenn ich dort bin, fühle ich mich wie ein kleines naives dummes unerfahrenes kind, das sich für sein spießiges frankfurter dasein und seine frankfurter küsse-zur-verabschiedung-verteilenden freundinnen schämen muss. nein, das muss ich nicht.

auf der einen seite will ich jung und frei und mutig sein. auf der anderen seite will ich das werden, was ich mir erträume einmal zu sein. will ich ein haus bauen? lasst mich ein haus bauen. will ich einen 9/5-job? lass mich meinen 9/5-job machen. will ich ein halbwegs geordnetes leben ohne allzuviele x-variablen führen? lasst mich mein scheiß leben ohne  x-variablen führen, und zwar ohne mich schräg von der seite anzuschauen. aber ihr schaut mich an, als wär ich ein analphabet. trinkt euren scheiß whiskey und verurteilt mich nicht dafür. aus euren augen spricht so viel mitleid, für das was ich bin und was ich tue. ich brauche euer mitleid nicht.

berlin ist ein unauslöschlicher teil meiner erinnerungen, in vielerlei hinsicht. das will ich nicht anders, auch wenn ich es manchmal dafür hasse. eigentlich immer ein bisschen. dennoch – es ist ein teil von mir, aber es macht mich nicht aus. ich bin keine künstlerin durch und durch, und ich will es auch nicht sein. ich bin nicht der inbegriff von alternativ. oder hipster. himmel, es gibt nicht mal ein wort dafür, das ihr ohne ein spöttisches augenbrauenheben durchgehen lassen würdet, hab ich recht?

aber eines weiß ich. das nächste mal, wenn ich in der stadt bin, werde ich erhobenen hauptes und unverwundbar durch die straßen gehen, wohlwissend, dass ich nicht hierhergehöre. froh darüber, dass ich nicht hierhergehöre. dass ich ein frankfurter mädchen bin, und dass ich es gerne bin. und ich werde berlin niemals, niemals wieder einen teil von mir zerstören lassen.

 

berlin personal

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